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Empfundene Tiefe - Druckversion

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Empfundene Tiefe - Miraculus - 22.02.2011 11:44

Hallo zusammen,

unter "Tiefe" wird in der Hypnose traditionell oft einfach dasselbe wie unter hypnotischer Suggestibilität verstanden.

Tatsächlich läßt sich neben der Suggestibilität auch das subjektive Empfinden betrachten, als wie "tief hypnotisiert" jemand sich selbst einschätzt.

Zusammenhang zwischen Tiefe und Suggestibilität

Suggestibilität und subjektiv empfundene Tiefe hängen statistisch mittel bis hoch zusammen: Wer sich selbst als "tief hypnotisiert" erlebt, ist wahrscheinlich auch recht suggestibel, und umgekehrt.

Diese Korrelation gilt auch für einzelne Zeitpunkte innerhalb einer Hypnose-Sitzung: Wenn jemand vor einer bestimmten Suggestion befragt wird, wie tief hypnotisiert er nun gerade ist, dann läßt seine Antwort Rückschlüsse auf den Erfolg der nächsten Test-Suggestion zu.

Nun könnte es natürlich so sein, daß allein die Erwartung diesen Effekt vermittelt: Wenn jemand sich tief hypnotisiert fühlt, ERWARTET er, auch auf die nächste Suggestion gut zu reagieren, und DESHALB ist er dann auch suggestibler. Doch das stimmt nicht völlig: Selbst wenn die Erwartung statistisch rausgerechnet wird, bleibt immer noch ein Zusammenhang zwischen subjektiv gefühlter Tiefe und Suggestibilität bestehen.

Wie dieser Zusammenhang ursächlich genau beschaffen ist, bleibt unklar. Wenn man beispielsweise einer Person, die sich als tief hypnotisiert empfindet, suggeriert, daß sie vollständig aus der Hypnose kommt, aber suggestibel bleibt, so hat diese Anweisung in der Regel Erfolg.

Außerdem wurden die ganannten Messungen im Rahmen traditioneller klassischer Hypnose-Sitzungen gemacht, bei denen suggeriert wird, daß der Proband immer tiefer in Hypnose sinken solle.

Vielleicht ist es also so: Wenn dem Probanden direkt oder indirekt vermittelt wird, daß er möglichst "tief" hypnotisiert sein soll, dann gibt es einen Zusammenhang zwischen Suggestibilität und Tiefe, andernfalls nicht.

Verlauf der Tiefenkurve

Bei einer längeren experimentellen Hypnose-Sitzung schwankt die empfundene Tiefe üblicherweise. Typisch ist, daß der Proband - gemessen an seiner Empfindung - am Anfang relativ "tief" hypnotisiert ist, daß die tiefe zur Mitte der Sitzung dann abnimmt, und gegen Ende wieder zunimmt.

Piesbergen und Peter haben eine Untersuchung durchgeührt, bei der sie auch die Tiefe im Sinne von Selbsteinschätzung gemessen haben.
http:// epub.ub.uni-muenchen.de/11270/1/hypart10.pdf

Auf S. 8 findet sich eine gut anschauliche graphische Darstellung der durchschnittlichen Trancetiefe bei ihrer Messung über 10 Items(Hypnose-Tests).

Angangs nimmt die Tiefe u (von Item 1 bis Item 3), um dann bis auf einen Ausrutscher ständig abzufallen. Am Ende ist die Tiefe geringer als am Anfang.


Man kann sich die Frage stellen, warum in ihrer Grafik die Tiefe nicht abnimmt, um dann gegen Ende der Sitzung wieder zuzunehmen, so wie in anderen Untersuchungen, sondern nach kurzem Anstieg nahezu kontinuierlich sinkt.
Leider ist es oft so, daß verschiedene Untersuchungen verschiedene Ergebnisse haben, die mit verschiedenen Parametern wie Probanden, benutzte Skale, etc. zusmammenhängen. Meistens wird außerdem mit einer 12-Item-Test gearbeitet, während Piesbergern und Peter eine 10-Item.Skala verwenden. Ganz am Ende steigt auch bei ihrem Test die Suggestibilität wieder; ob das aber nur ein Ausrutscher ist oder die Kurve nach Item 9 kontinuierlich ansteigen würde, läßt sich nicht sagen.


Messung der Tiefe

Die früheen Skalen vermengten Suggestibilität, Entspannung und empfundene Tiefe (z.B. Davis-Husband., LeCron-Bordeaux].
Später wurrden dann jedoch getrennte Skalen konstruiert.
Bei der Einschätzung der Tiefe gibt es verschiedene Möglichkeiten: Oft soll jemand eine Zahl auf einer geschlossenen oder offenen Skale nennen. Beispielsweise würde die 0 bedeuten, daß jemand absolut wach ist, und die 20, daß er extrem tief hypnotisiert ist. Dabei existieren verschiedene Varianten.

Das Problem mit der Selbsteinschätzung ist, daß allein die vom Hypnotiseur herangetragene Erwartung einen Einfluß auf das Empfinden und die Interpreation des Empfindens durch den Hypnotisierten haben kann. Außerdem hat es natürlich auch immer wieder einen einen Einfluß auf die Selbsteinschätzung, ob jemand viele Tests positiv bestanden hat oder nicht.
Das macht solche Tests nicht wertlos, mindert jedoch ihre Aussagekraft.

Eines ist wichtig: Auch wenn ein STATISTISCHER Zusammenhang von Tiefe und Suggestibilität existiert, kann es im EINZELFALL erhebliche Abweichungen geben.
Jemand mag sich selbst als sehr tief hypnotisiert erleben, und dennoch nur wenig auf Suggestionen reagieren; ein anderer erlebt sich überhaupt nicht oder kaum als hypnotisiert, reagiert aber hervorragend auf Hypnosetests.

LG Miraculus