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Artikel: Hypnose und Verbrechen
01.12.2009, 18:14
Beitrag: #11
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Ich hoffe heute!Wink

Damals ließ z.B. Bernheim, eigentlich Chirurgie-Professor in Nancy, seine Patienten oft halluzinieren, daß eine andere Person ins Zimmer kommt, daß ein Streit und eine Prügelei entsteht und de rpatient dann durch den halluzinierten Angreifer niedergeschlagen wird und zu Boden geht.


Oskar Vogt, der große Hirnanatom und Begründer der fraktionierten Hypnose, suggerierte oftmals als Suggestibilitätstest, daß der Patient Stuhlgang hat.

Und was P.C. Young, ein experimenteller Psychologe in den USA, machte, kann man ja dem verlinkten Artikel entnehmen:

"Der Mann, der von der Schlange gebissen worden war, fiel übrigens sofort in Ohnmacht. Rowland benutzte ungiftige Diamant-Wassernattern, die den giftigen Wasser-Mokassinottern sehr ähnlich sahen. Für Young war diese Panne kein Grund, das Experiment abzubrechen. Vielmehr brachte er den Versuchsteilnehmer zurück in Hypnose und drängte ihn so lange, bis er «unter Todesangst», wie Young schrieb, die Schlange anpackte. Das Resultat der heroischen Studien: Sieben der acht Versuchsteilnehmer hatten die Befehle ausgeführt."

Die Sitten waren rauher damals....
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01.12.2009, 19:03
Beitrag: #12
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Das liest sich ein wenig wie das Horrorbuch... aber ok wenn die Versuchskandidaten darüber Aufgeklärt werden.
In der Pharmaindustrie werden für Testzwecke ja heute noch Menschen angeheuert... natürlich für ein großes Butterbrot Taschengeld.
Die große Masse der Menschen machen es umsonst. Big Grin

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
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01.12.2009, 20:29
Beitrag: #13
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Die Sitten waren so rauh wie heute, Mirculus. Im Grunde hat sich nicht viel verändert. Heute testet man die Menschen, ohne das sie das wissen. Millionenfach...
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02.12.2009, 14:55 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 02.12.2009 16:17 von Miraculus.)
Beitrag: #14
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Hallo Sandra,

vllt. hast Du recht.
Vllt. muß man vieles heute nur "verborgener" und "heimlicher" machen....

Hier noch was Gechichtliches:
Einige Ergänzungen und Bemerkungen zum Artikel, sozusagen eine kleine Geschichte zum Thema "Hypnoseforschung zu Verbrechen in Hypnose".



Die Anfänge


Viele der anfänglichen Hypnotiseure gingen davon aus, daß man Hypnotisierte zu allem bringen kann. Beispielsweise machten Vertreter der Schule von Nancy Experimente, bei denen sie den Patinenten etwa befahlen, sich zu entkleiden.
Oder sie suggerierten, daß ein Gummidolch eine echte Waffe sei, daß eine ungeladene Pistole geladen sei, und ließen dann ihre Probanden damit "Morde" verüben.
Oder man gab ihnen Zucker und suggerierte, dies sei Arsen und beauftragte sie, damit andere zu vergiften.

Drei Dinge fallen auf:

- Man ging selbstredend davon aus, daß die Hypnotisierten das Experiment nicht als Experiment durchschauten.
- Man versäumte es, Nicht-Hypnotisierten ebenfalls solche Befehle zur Kontrolle zu geben, da man offenbar selbstverständlich davon ausging, daß sie sowieso nicht gehorchen würden. Es gab also keien nicht-hypnotischen Kontrollgruppen.
- Die Suggestionen, mit denen man die Probanden zu täuschen versuchte, sollten nicht etwa ein Verbrechen als harmlos oder gerechtfertigt erscheinen lassen - im Gegenteil, sie sollten ein völlig harmloses Verhalten als hochgefährlich erscheinen lassen.

Da solche Experimente ut funktionierten, schlossen Hypnose-Pioniere wie Bernheim, daß Hypnose eine mächtige Möglichleit der Manipulation sei.

Diese Position wurde aber bald kritisiert. Andere Hypnotiseure stellten heraus, daß man es sich mit solchen "Beweisen" zu einfach mache. Einer dieser Kritiker war der äußerst scharfsinnige englische Arzt John Milne Bramwell.
Bramwell, der die Schule von Nancy besucht hatte, wies darauf hin, daß es in französischen Krankenhäusern jener Zeit üblich war, daß die Kranken nackt untersucht wurden, und sich dazu vor ihren Ärzten entkleideten, selbst dann, wenn das nicht nötig gewesen wäre.
Die Patienten, die Bernheim und Kollegen während der Hypnose dazu brachten, sich auszuziehen, kamen dieser Aufforderung ohnehin nach, auch ohne Hypnose.

Bramwell hatte auch einige sponatne Erfahrungen gesammelt und Experimente gemacht, die darauf schließen lassen, daß der Hypnotisierte auch bei erfolgreicher Halluzination zumindest unterbewußt durchaus orientiert bleibt und letztlich weiß, daß es sich beispielsweise bei dem angeblichen Arsen, das er verabreichen sollt, in Wahrheit um eine harmlose Substanz handeln müsse.

Die Hypnose wurde nun immer mehr systematisch durch experimentelle Psychologen unterwucht, und das Thema "verbrechen in Hypnose" Gegenstand einer intensiven Debatte.
Einige waren der Ansicht, daß es einen wichtigen Unterschied mache, ob man die angeblichen Verbrechen direkt befiehlt oder ob man hypnotische Täuschungen benutzt, um die erteilten Aufträge harmlos aussehen zu lassen.
Wenn man jemandem beispielsweise befehle, mit einer Pistole auf eine andere Person zu schießen, dann werde er dies wohl nicht tun, wahrscheinlich aber schon, wenn man ihm sage, die Pistole sei ein Feuerzeug, das er bedienen solle.
In diesem Sinne suggerierte man beispielsweise einem amerikanischen Soldaten während des zweiten Weltkrieges erfolgreich, er solle einen amerikanischen Offizier angreifen; zuvor hatte man dem hypnotisierten GI suggeriert, er habe es mit einem japanischen Feind zu tun.

Jedoch gibt es deutliche Einwände gegen die These, daß solche suggerierten Täuschungen einen bedeutenden Effekt haben.

Es wurde immer deutlicher, was ich eben schon im Zusammenhang mit Bramwells Kritik angedeutet habe, nämlich daß selbst hervorragende hypnotische Subjekte in "tiefster Hypnose" auf einer gewissen Eben Realität und hypnotische Täuschung auseinanderhalten können.

Wie schon erwähnt benutzten Bernheim und Kollegen ja ebenfalls hypnotische Täuschungen, aber nicht etwa, um ein kriminelles Verhalten als akzeptabel erscheinen zu lassen, sondern gerade umgekehrt um ein harmloses Verhalten als kriminell erscheinen zu lassen - und hatten Erfolg.
Was der Hypnotisand bewußt glaubt, und ob man ihm ein Verhalten als harmlos oder kriminell beschreibt, scheint also nicht sehr wichtig zu sein.

Vor allem aber konnte man Hypnotisierte OHNE den Einsatz von Halluzinationen zu denselben "kriminellen" Handlungen bewegen wie MIT ihrer Anwendung.
So konnte man etwa erfolgreich Probanden dazu bringen, etwas zu steheln, nachdem man ihnen suggeriert hatte, daß es sich um ihr Eigentum handele; aber man konnte es ihnen aden "Diebstahl" auch direkt erfolgreich befehlen.

Ich halte die Überlegungen des österreichisch-amerikanischen Psychiaters und Hypnoseforschers Martin T. Orne in diesem Zusammenhang für überzeugend. Nach Orne hängt der Erfolg solcher Experimente davon ab, ob der Hypnotiseur glaubhaft vermittelt, daß er wirklich Gehorsam will. Hypnotische Täuschungen sind eine Methode dazu, aber nicht notwendig.
Wenn der Hypnotsierte erkennt, daß es dem Hypnotiseur ernst ist, geht er in der Regel auch davon aus, daß Schutzmaßnehmen ergriffen wurden.



Von Schlangen und Säuren


In der damaligen Situation gab es einige Skepsis, was den besonderen Gehorsam unter Hypnose angeht.
Um Klarheit zu schaffen, wurden die im Artikel erwähnten Experimente mit den Schlangen und der Säure durchgeführt.
Die hypnotisierten Versuchspersonen sollten nach agressiven hochgiftigen Schlangen greifen, in Säure fassen, und die Säure einer anderen Person ins Gesicht schütten.

Diese Experimente hatten vor allem einen Vorteil: Sie sahen sehr realistsich aus. Sie scheinen somit wesentlich aussagekräftiger zu sein als jene leicht durchschaubaren Versuche, bei denen man Probanden andere Menschen durch "Arsen" vergiften ließ, das in Wahrheit Pulverzucker war, oder sie mit einer (in Wahrheit entladenen) Waffe auf andere schießen ließ.

Wie im verlinkten Artikel beschrieben hatten manche Probanden tatsächlich große Angst, und alles wirkte echt.
Beispielsweise vertauschte man in einem Versuchsaufbau die Säure, in der sich vor den Augen des Probanden eine Münze aufgelöst hatte, geschickt gegen eine Imitation - niemand von den Probanden merkte es. Das Imitat hatte dasselbe Blau wie die Säure, und durch Zusätze köchelte es ebenfalls vor sich hin. Wegen dieser großen Ähnlichkeit kam es auch zu der Verwechslung und damit zu dem im Artikel erwähneten Unfall, bei dem dann der Assistent die echte hochätzende Säure ins Gesicht bekam.

Bei einem Teil der Experimente versuchte man die tief hypnotisirten Versuchsperonen suggestiv zu täiuschen. So suggerierten Rowland und Young jeweils der Hälfte der Probanden, die Schlange sei ein Stück aufgerolltes Seil; bei der anderen Hälfte verzichtete man auf solche Täuschungsversuche und befahl ihr einfach direkt, nach der Schlange zu greifen.
Dies machte jedoch keinen Unterschied, denn es gehorchten in beiden Fällen gleich viele Probanden (jeweils fast alle, wenn auch nicht alle).
Wache, nicht-hypnotisierte Personen hingegen, die man einfach fragte, ob sie bei diesen Experimenten mitmachen würden, verneinten das mit Entsetzen.

Daraus schlossen einige der Experimentatoren, daß man mit Hypnose die Menschen zu Dingen bewegen kann, die sie wach niemals tun würde.



Kann man die Probanden täuschen?


Skeptisch bließ der bereits erwähnte Martin Orne. Und er sollte recht behalten: Während eines Forschungsaufenthaltes in Australien wiederholte er mit seinem Kolleen Frederick Evans die Versuche von Rowlad und Young; nur nahm er diesmal wache Versuchsperoenen hinzu, die er nicht bloß FRAGTE, ob sie die Experimente mitmachen würden, sondern die er als formelle Versuchspersonen behandelte, und denen er mit demselben Nachdruck wie den tief Hypnotisierten BEFAHL, seinen Anweisungen nachzukommen.
Ergebnis: Auch bei Orne und Evans schütteten fast alle Hypnotisierten die Säure wie befohlen ins Gesicht des Assistenten und erfüllten die anderen Aufgaben; wache Personen, die man fragte, ob sie mitmachen würden, verneinten dies mit Schaudern; aber die wachen Versuchsperoenen, die bis auf die Hypnose wie die Hypnotisierten behandelt wurden, machten mit wie die Hypnotisierten; auch sie gehorchten fast alle.
(Dieses Experiemnt wird leider in dem verlinkten Artikel nicht berichtet.)

Orne und Evans interviewten nun die Teilnehmer, im Gegensatz zu ihren vorgängern, und sie fanden heraus, daß die fast alle erraten hatten, daß ihnen nichts passieren würde. Sie konnten die Sicherheitsmaßnahmen zwar nicht wahrnehmen, aber natürlich gingen sie davon aus, daß der Experimentator ein vernünftiger Mensch ist, der niemanden verletzen oder töten würde.
Das bedeutet natürlich, daß der Versuch letztlich keine Aussagekraft hat, wenn die Probanden ohnehin wissen, daß alles nur ein Fake ist.

Das entsprechende Argument hatte Orne schon zuvor formuliert: Die Probanden wissen bewußt oder unbterbewußt, daß ein Experiment ein Experiment ist, und letztlich nichts Schlimmes passieren wird - egal, wie realistisch es auch aussieht.

Etwa in diese Zeit fielen außerdem die berühmten Milgram-Experimente: Zum allgemeinen Erstaunen, ja Schock, konnte man zwei Drittel der Menschen (ganz ohne Hypnose) zu extremem menschenverachtenden Gehorsam bewegen (Man google nach Milgram-Experimente).

Zwei Dinge waren jetzt also klar:

- Erstens: Man brauchte unbedingt nicht-hypnotisierte Kontrollgruppen für solche Experimente, also Probanden, die man nicht hypnotisiert, mit denen man aber die gleichen Experimente macht.
Das war früher nicht klar gewesen, denn man ging davon aus, daß "wache" Personen ohnehin nicht mitmachen würden.
Als beispielsweise T.X. Barber im Zusammenhang mit einem bestimmten Experiment Kontrollgruppen forderte, wandte sein Kollege Wells ein, daß ein Kontrollexperiment, "wenngleich in vielen Fällen wünschenswert, zu einer Untersuchung dieser Art unnötig sei und nur als Farce betrachtet werden könnte", wie Gresch die Position von Wells wiedergibt.
Wie verfrüht und unhaltbar so ein Standpunkt war, hatte sich inzwischen ja deutlich gezeigt, denn auch die Nicht-Hypnotisierten gehorchten bei solchen Experimenten fast alle, genau wie die Hypnotisierten.

- Zweitens mußte man jetzt versuchen sicherzustellen, daß die Hypnotisierten nicht (wenigstens unterbewußt) begriffen, daß sie es mit einem Experiment zu tun haben, so daß sie von Sicherheitsmaßnehmen ausgehen.


Um diese Schwierigkeiten auszuräumen, unternahmen die im Artikel erwähnten Forscher Coe, Kobayashi und Howard Versuche, die außerhalb des formellen experimentellen Kontextes stattfanden, die also keinesfalls wie geplante Versuche wirken sollten.

Beim ersten mal beauftragten sie Hypnotisierte und Kontrollsubjekte, etwas zu stehlen; doch wurde durchschaut, daß es sich um einen Versuch handelte.
Beim zweiten mal gingen sie vorsichter vor; dies war der im Text erwähnte Versuch, bei dem sie die Probanden zum (vermeintlichen) Dealen mit Heroin anzustiften versuchten. Und diesmal waren die Forscher erfolgreicher, 75% der Probanden durchschauten nicht, daß es ein Experiment war.

Allerdings gehorchten Hypnotisierte und Nicht-Hypnotisierte gleichermaßen, die Beziehung zum Experimentator scheint dabei eine Rolle gepielt zu haben, vor allem aber die persönliche ethische Einstellung der Probanden.
Da dieser Versuch aber auch gewisse mehodische Mängel hat, schafft auch er keine endgültige Klarheit.



Hypnose und Gehorsam "unterhalb" von Verbrechen


Andere Forscher (Calverley und Barber) versuchten es mit harmloseren Dingen. So wurden Probanden gedrängt, verleumderische Briefe zu schreiben. Es gehorchten Hypnotisierte und "wache" Personen gleichermaßen; doch die Hypnotisierten schrieben ihr Verhalten interessanterweise der Macht der Hypose zu. (Ein wichtiges Faktum, denn es bedeutet, daß das subjektive Gefühl, durch Hypnose zu etwas gezwungen zu werden, falsch sein kann.)
Letztlich wurden die Probanden aber natürlich auch hier getäuscht, die Briefe wurden natürlich nicht abgeschickt.


Andere Forscher befahlen daher Dinge, bei denen es keine "versteckten Sicherheitsvorkehrungen" geben konnte, und wo das auch für die Subjekte offensichtlich war. Es sollte klar sein, daß es "Ernst" ist.
Levitt, Aronoff, Morgan, Overley und Parrish wiesen ihre Probanden an, die amerikanische falgge zu zerscheiden und die Bibel zu beschädigen; durch Befragungen hatten sie herausgefunden, daß diese Aktivitäten als moralisch verwerflich angesehen wurden, und die meisten sagten, sie würden das nicht tun. Und da sie nicht kriminell waren und andere Vorteile hatten, wählte man sie.
Im Ergebnis gehorchten Hypnotisierte wie Nicht-Hypnotisierte im gleichen Ausmaß.
Auch wenn solche Versuche wesentlich aussagekräftiger sein mögen als viele andere, haben sie im konkreten Fall einen Nachteil: Es geht hier nicht mehr um "Verbrechen", sondern "nur" noch um normwidrige Handlungen.



Außerhalb des Labors: Reale Fälle in der "realen Welt"


Die ganzen Labor-Experimente zu dem Thema sind offensichtlich von großen Schwierigkeiten besetzt; und vieles stellt sich auf den zweiten Blick anders dar als auf den ersten.
Daher waren natürlich auch Fälle in der "echten" Welt außerhalb des Labors für die Hypnoseforscher von Interesses.

So gab es immer wieder Fälle von sexuellem Mißbrauch durch Hypnotherapeuten.
Das Problem ist aber, daß es sexuellen Mißbrauch auch außerhalb der Hypnose in anderen Therapien gibt. Deshalb wird man auf alle Fälle erwarten, daß die klinische Hypnose nicht als einizige Therapieform verschont bleibt.
Gäbe es nur oder fast nur bei der Hypnose Mißbrauch, dann wäre das natürlich ein starkes Argument für ihre Gefährlichkeit. Da dies jedoch nicht der Fall ist, bleibt die Frage bestehen, ob Hypnose im konkreten Fall am sexuellen Mißbrauch schuld ist oder nicht.
Jedenfalls gibt es eine Reihe von psychologischen Faktoren, die in theapeutischen Bezeiehungen generell Mißbrauch begünstigen und erklären.
Das ganze Thema ist sehr komplex, es mögen einige Andeutungen an dieser Stelle genügen, aber man kann nicht aus der Realität von sexuellem Mißbrauch unter Hypnose schließen, daß die Hypnose dafür die entscheidende Bedingung ist.

Was andere Fälle von angeblichem oder tatsächlichem Hypnose-Mißbrauch angeht, so sind diese im Verhältnis zur Häufigkeit durchgeführter Hypnosen extrem selten.
In all den Fällen die bekannt sind, bestand unabhängig von der Hypnose eine intensive persönliche Beziehung.
Nun ist es bekannt, daß in solchen Verhätnissen der eine den anderen nicht selten zu allen möglichen "Verrücktheiten" und Verbrechen anstiften kann - das kommt nicht selten vor. Man kann daher leider nicht sagen, ob in den Fällen, in denen Hypnose im Spiel war, diese auch ursächlich war.

Einen bescheidenen Bekanntheitsgrad hat hierzulande durch das Fernsehen etwa ein Fal erlangt, bei dem in Dänemark ein Hypnotiseur (Björn Nielsen) einen ehemaligen Mitgefangenen (Palle Hardrup) durch Hypnose zu einem Bankraub angestiftet haben soll, was dann mit zwei Tötungsdelikten einherging.
Es bleibt aber zu konstatieren, daß Hardrup und Nielsen ohnehin ein sehr enges, wohl auch homoerotisch besetztes Verhältnis hatten; sie hatten gemeinsam eine Verschwörung geplant, um Dänemark vor dem Kommunismus zu schützen; Hardrup sollte dabei als wohlwollender Diktator Dänemarks fungieren. Nielsen überzeugte ihn, daß man daür das Geld aus dem Überfall der Bank benötige; ob nielsen selbst an dieses "quasi-psychotische System" (Orne) glaubte, blieb ungeklärt. Hardrup wurde für seine Taten nicht bestraft, sondern für geisteskrank erklärt und in die Psychiatrie gebracht. Er widerrief später seine Aussagen und erklärte, nie durch Nielsen hypnotisiert worden zu sein.

Leider sind alle bekannten Fälle von einer ähnlichen Art; es gab immer eine intensive Beziehung, die auch ohne Hypnose zu großer Beeinflußbarkeit führen kann; es lassen sich keine seriösen Schlußfolgerungen aus ihnen ziehen.

Letztlich ist es der Hypnoseforschung bis heute nicht gelungen, klare Antworten zu geben.

Immerhin haben sich einige Dinge herauskristalliisiert.

Zum einen scheint die allgemeine "Gehorsamsbereitschaft" (außerhalb von Verbrechen) unter Hypnose nicht größer zu sein, als wenn man dieselben experimentellen und sozialen Bedingungen außerhalb der Hypnose schafft.

Es zeigte sich auch, daß es einfach ist, Menschen in experimentellen Situationen zu angeblichen "Verbrechen" zu bewegen.

Die Aussage, daß man in Hypnose niemanden zu etwas bringen kann, was er sonst nicht tut, wird oft falsch aufgefaßt: So als bedeute sie, daß man ein Hypnose-Experiment macht, wo man jemandem ein "Verbrechen" oder eine selbstschädigende Handlung befiehlt, und der weigert sich dann.

Aber das ist ein völliges Mißverständnis.
Im Gegenteil hat die Hypnoseforschung eindrucksvoll gezeigt, daß solche Versuche bestens funktionieren, selbst wenn sie sehr realistisch sind, und daß fast alle Teilnehmer gehorchen, wenn man es "richtig" macht!
Anders als man oft hört, sind dabei noch nicht einmal technischen Finessen nötig, bei denen die man den Hypnotisierten durch hypnotisch induzierte Halluzinationen täuscht.
Vielmehr kann man auch ganz direkt das Erwünschte befehlen, wenn man glaubwürdig vermittelt, daß man es wirklich erwartet.
Wie die Hypnoseforschung zeigt, wird man dann überragenden Erfolg haben.
Das bestreitet niemand, jedenfalls niemand aus der Hypnoseforschung, ganz im Gegenteil.

Das Problem ist vielmehr, daß die Aussgekraft dieser Versuche gering ist. Einmal weil Probanden sehr schwer zu täuschen sind - egal wie realistisch das Design des Experiments auch ist, ja, auch wenn ein Versuch getarnt wird, damit er nicht als solcher erkennbar ist.

Das zweite Problem ist die allgemeine, hypnoseunabhängige Gehorsamsbereitschaft und die Tatsache, daß adäquate nicht-hypnotische Kontrollgruppen sich hinsichtlich des Gehorsams verhalten wie die Hypnotisierten.

Wenn man also wirklich überzeugende Versuche machen will, dann muß man zwei Dinge sicherstellen: Daß weder die hypnotische, noch die Kontrollgruppe den Versuch bewußt oder "unterbewußt" als Versuch durchschaut; zweitens muß man sichergehen, daß die Kontrollgruppe(n) - bis auf die Hypnose - gleich behandelt wird/werden wie die hypnotischen Subjekte.
Deshalb wäre es z.B. problematisch, wenn man die Hypnotisierten einem intensiven Training unterzeiht, während dessen sie Vertrauen zum Hypnotiseur fassen und eine soziale Beziehung zu entwickeln, wenn man dann andererseits die Versuchspersonen der Kontrollgruppen sozusagen "von der Straße" nimmt.

Allerdings können Experimente zu diesem Thema natürlich auch ethisch und sogar rechtlich problematisch sein, und auch für den Hypnotiseur nicht ungefährlich.
In dem verlinkten Artikel findet man ja schon einige Komplikationen. Eine weitere geht so:
Bei dem Experiment mit dem Verkauf des Heroin erzählte eine Versuchsperson im Nachhinein, daß sie mitgemacht hatte, weil sie eigentlich den Experiimentator angreifen und das Geld erworbene Geld für sich behalten wollte, da sie kürzlich durch einen Dealer versetzt worden war...

LG Miraculus
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02.12.2009, 16:51
Beitrag: #15
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Wer mich sucht... ich bin hier beim lesen für die nächsten Tage. Big Grin

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
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02.12.2009, 17:31
Beitrag: #16
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
(02.12.2009 16:51)Niko schrieb:  Wer mich sucht... ich bin hier beim lesen für die nächsten Tage. Big Grin

Big Grin ich brauch auch ein wenig Zeit und Muße, dass alles zu lesen. Also Mirculus, Du wirst so ganz schnell keine Antwort erhalten. Shy
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03.12.2009, 16:36
Beitrag: #17
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
Hallo zusammen,

natürlich freue ich mich über jeden Leser - und sogar über jede LeserIN. Big Grin
Trotzdem soll so ein Beitrag natürlich nur ein "Angebot" und keine moralische "Verpflichtung" sein.

Ich hoffe, mein Text ist nicht zu "unzumutbar". Sad

LG Miraculus
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03.12.2009, 18:16
Beitrag: #18
RE: Artikel: Hypnose und Verbrechen
(03.12.2009 16:36)Miraculus schrieb:  Hallo zusammen,

natürlich freue ich mich über jeden Leser - und sogar über jede LeserIN. Big Grin
Trotzdem soll so ein Beitrag natürlich nur ein "Angebot" und keine moralische "Verpflichtung" sein.

Ich hoffe, mein Text ist nicht zu "unzumutbar". Sad

LG Miraculus

Da bin ich ja beruhigt, Miraculus. Unzumutbar... na ja... geht gerade noch so. Big Grin Cool Ich brauch dafür einfach Muße alles zu lesen u. zu überdenken. Smile Aber das Wochenende naht u. damit auch mehr innere Ruhe.

Wie sagt Niko gerne? "Das passt schon." Smile
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