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Angenehme Induktionen können effektiver sein
14.01.2010, 18:15
Beitrag: #1
Angenehme Induktionen können effektiver sein
Hallo zusammen,

es ist wahrscheinlich so ein bißchen eine "your grandma could have told you"-Psychologie-Geschichte, aber nachdem ich durch Zufall auf einen entsprechenden Artikel gestoßen bin, will ich doch eine Kleinigkeit dazu schreiben.

Es scheint so zu sein, daß Induktionen, die als angenehmer emofunden, werden, zu signifikant besseren Ergebnissen hinsichtlich hypnotischer Suggestibilität führen als andere, die weniger angenehm sind.
Zu diesem Schluß kommt eine spanische Forschergruppe, nachdem sie zwei Formen der Wachhypnose verglichen hat.
Weniger angenehm war für die meisten offenbar die Aktiv-Wachhypnose, bei der man sich auf einem Ergometer abstrampelt oder auf einem Laufband rennt, während die relativ neue "Wache-Hand-Hypnose" zu mehr Wohlbefinden und auch zu höherer Suggestibilität führte.

Auch innerhalb der jeweiligen Induktionsart reagierten vor allem diejenigen Probanden gut auf Testsuggetsionen, die die Induktion angenehm fanden. (Das ist Gegenstand dieses Artikels.)
Dieser Effekt kam vor allem in der "Wache-Hand"-Hypnose zum Tragen, was so interpretiert wird, daß der Effekt erst dann richtig zum Tragen kommt, wenn eine gewsse Erheblichkeit der angenehmen Gefühle vorliegt.

Zusammen mit anderen Forschungen legen die Ergebnisse nahe, daß der Grad, zu dem eine Induktion als angenehm empfunden wird, ab einem gewissen Level einen bedeutenden Einfluß auf die hypnotische Suggestibilität hat.

Weiterhin wurde ein Zusammenhang festgestellt zwischen dem Erleben der Empfindungen, die während der Induktion suggeriert wurden, und dem Anschneiden bei den Testsuggestionen. Je mehr suggerierte Empfindungen die Probanden hatten, desto besser schnitten sie auf der Suggestibilitätsskala (BSS) ab.
Die Autoren der Studie vermuten als Erklärung, daß die Suggestibilität sich umso mehr erhöht, je mehr der suggerierten Empfindungen während der Induktion umgesetzt werden, da dadurch die positive Erwartung erhöht wird. Sie gehen davon aus, daß Induktionen, die viele solche Empfindungen suggerieren, effektiver sind als andere Hypnoseeinleitungen, bei denen nur wenige Empfindungen suggeriert werden.

Sie stellen weiterhin die Hypothese auf, daß diese Effekte auch auf therapeutische Sugegstionen überragbar sind.
Das ist natürlich letztlich nicht bewiesen, aber ich halte es auch für einleuchtend, daß jemand auf therapeutische Suggestionen oder andere Interventionen besser reagiert, wenn er sich richtig wohlfühlt.

Die Ergebnisse der Sudien wurden natürlich in einem Laborsetting erhoben, was ihre Geltung für andere Bereiche (z.B. Klinik) m.E. aber nicht schlichtweg aufhebt.

Man kann also das Wichtigste so zusammenfassen: Es sieht so aus, daß Hypnotisanden umso suggestibler bei einer Hypnose sind, je angenehmer für sie die Induktion ist, zumindest wenn ein gewisser Grundlevel des Wohlbefindens erreicht wird.

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Da der Artikel schon online ist verlinke ich ihn, aber ich denke, daß er ohne hintergrundswissen kaum verständlich ist, auch wenn man (wie ich) die statistischen Details wegläßt und sich nur auf den eigentlichen Text konzentriert.
Das macht aber nichts, denn es steht sonst auch nicht weiter viel Interessantes drin:
http://www.ijpsy.com/volumen5/num1/108/a...ods-EN.pdf
--------

LG Miraculus
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14.01.2010, 22:04
Beitrag: #2
RE: Angenehme Induktionen können effektiver sein
Also Miraculus,

irgendwie sagt diese komplizierte Studie nichts neues aus, oder? Es liegt auf der Hand, dass in einer Wohlfühlinduktion und Wohlfühltrance sich für alles, was in dieser Trance folgen wird, positiv auswirken wird.

Ist immer wieder interessant, womit die Wisschenschaft sich so befasst. Teilweise mit Dingen, die uns "einfachen" Menschen völlig logisch erscheinen. Ohne Labortests und Co. Aber ich denke, im Wissenschaftlichen wird oft viel komplizierter gedacht.

Danke für den interessanten Bericht. Mit der Verlinkung kann ich persönlich nicht so ganz viel anfangen, weil mein Englisch nicht ausreicht für so einen komplexen Text. Smile
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15.01.2010, 14:28
Beitrag: #3
RE: Angenehme Induktionen können effektiver sein
Hallo Sandra,

die Verlinkung kann man wajrscheinlich ohnehin nur lesen, wenn man in das Thema eingearbeitet ist. (Es ist nur als "Quelenangabe" gedacht.

Ja Du hast recht, im Grunde ist es etwas sehr Offensichtliches.
Sehr viel interessnater wäre es, eine Vielzahl unterschiedlicher induktionen zu vergleichen.

Andererseits haben solche Studien wenigstens einen Wert:
Sie helfem, die Effektgröße einzelner Variabler einzuschätzen.
Beispielsweise: Welche Bedeutung hat das Wohlfühlen?
Die Erwartung? Das Verhältnbis zum Hypnotiseur?

Die zitierte Studie scheint z.B. zu belegen, daß der Wohlfühlfaktor besonders wichtig ist. Smile

LG Miraculus
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17.01.2010, 19:11
Beitrag: #4
RE: Angenehme Induktionen können effektiver sein
Hallo ihr... Smile

eine Wohlfühlinduktion ist wohl in der Klientenarbeit sehr wichtig. Ich selbst glaube daran das man damit am weitesten kommt.
Im Gegenzug sieht man aber auf der Bühne völlig Gegensätzliches. Das Magische Wort ist wie es scheint die Erwartungshaltung.

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
http://www.hypnose-hilfe.com
http://www.hypnosering.de
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17.01.2010, 21:03
Beitrag: #5
RE: Angenehme Induktionen können effektiver sein
Hallo Niko,

sehr interessant wären doch mal Aufzählungen/Beschreibungen einiger "Wohlfühlinduktionen"? Wink

Zitat:Im Gegenzug sieht man aber auf der Bühne völlig Gegensätzliches. Das Magische Wort ist wie es scheint die Erwartungshaltung.


Der Einfluß der Erwartung ist groß. Das kann man sogar in Untersuchungen nachweisen.
Wichtig dabei: Es kommt nicht nur darauf an, WAS man erwartet, sondern, WIE SEHR.
Wenn jemand nur VERMUTET, daß er bei einem Test bei vielen Suggestionen erfolgreich ist, ist das etwas anderes, als wenn er SICH SEHR SICHER ist.

Es gibt ein Experiment, für mich eines der interessantesten der Hypnoseforschung:
Man gab Probanden Suggestionen zu halluzinatorischen Veränderungen der Wahrnehmung, und erzeugte diese Effekte technisch selbst.
Man suggerierte etwa, daß der Proband ein rotes Licht wahrnimmt und erzeugte den Effekt durch eine verborgene rote Lampe.
Natürlich mußte man das sehr vorsichtig machen, an der Grenze der Wahrnehmungsfähigkeit, mit einem langsammen Beginn, damit die Probanden keinen Verdacht schöpften.

Aber diese Täuschung gelang sehr gut. In einer von zwei Gruppen gab man den Teilnehmern zusätzlich noch ein Feedback, daß sie sehr gut hypnotisierbar seien.

Die Wirkung war sehr groß. Diejenigen, bei denen man durch Manipulation die Erwartung erzeugt hatte, daß sie so gut auf Hypnose ansprechen, schnitten wesentlich besser ab als diejenigen, deren Erwartungen man nicht manipuliert hatte (Kontrollgruppe).

Man unterteilt die Suggestibilität gewöhnlich in gering, mittel und hoch und stellt die zahlenmäßige Verteilung der Probanden als Kurve dar. Die Manipulation der Erwatung war derart stark, daß die Kurve ihre Gestalt veränderte.*

Bei der unbehandelten Hypnosegruppe gab es über 20% Geringsuggestible, über 60% "Mittelsuggetsible" und weniger als 15% Hochsuggestible.
Bei der Gruppe, deren Erwartung man durch die "getürkten Halluzinationen" und das manipulative Feedback beeiflußt hatte, gab es dagegen überhaupt keine Geringsuggestiblen, weniger als ein Drittel Mittelsuggestible, und der Rest - über zwei Drittel war hochsuggetsibel.

Es hat sich dabei gezeigt, daß der Einfluß der Manipulation wesentlich stärker als der durch Feddback war.

Der Effekt der Erwartung ist also sehr stark.
Gleichzeitig denke ich aber, daß ein guter Rapport und ein "Wohlfühlen", bei dem der Proband/Klient "loslassen" kann, den Effekt der Erwartung (wenigstens teilweise) verändern kann.

---------------
* Aus einem umgekippten U wird ein umgekipptes J. Ich finde leider keien graphische Darstellung, aber wenn man es sieht weiß man sofort, was gemeint ist.

LG Miraculus
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18.01.2010, 00:01
Beitrag: #6
RE: Angenehme Induktionen können effektiver sein
Hi miraculus,

Zitat:sehr interessant wären doch mal Aufzählungen/Beschreibungen einiger "Wohlfühlinduktionen"? Wink

Das willst Du jetzt nicht wirklich, hier verschiedene Induktionen anzureihen die in der Trance das Wohlfühlen bewirken.
Wir sind hier Öffentlich, von daher... Cool
Ein kleiner Tip dennoch dazu. Man könnte im prinzip schon aus den zwei Wörtern "Wohlfühlen und Entspannung" eine Induktion gestallten. Big Grin

Zitat:Es gibt ein Experiment, für mich eines der interessantesten der Hypnoseforschung:
Man gab Probanden Suggestionen zu halluzinatorischen Veränderungen der Wahrnehmung, und erzeugte diese Effekte technisch selbst.
Man suggerierte etwa, daß der Proband ein rotes Licht wahrnimmt und erzeugte den Effekt durch eine verborgene rote Lampe.
Natürlich mußte man das sehr vorsichtig machen, an der Grenze der Wahrnehmungsfähigkeit, mit einem langsammen Beginn, damit die Probanden keinen Verdacht schöpften.

Aber diese Täuschung gelang sehr gut. In einer von zwei Gruppen gab man den Teilnehmern zusätzlich noch ein Feedback, daß sie sehr gut hypnotisierbar seien.

Die Wirkung war sehr groß. Diejenigen, bei denen man durch Manipulation die Erwartung erzeugt hatte, daß sie so gut auf Hypnose ansprechen, schnitten wesentlich besser ab als diejenigen, deren Erwartungen man nicht manipuliert hatte (Kontrollgruppe).

Das glaube ich und sehe es auch so. Wenn der Proband während der Trance (und auch vorher), in seinem tun die der Hypnose dienlich ist, bekräftigt wird, so wird auf allen Ebenen meiner Meinung nach viel mehr zu erreichen sein.

Liebe Grüße
Niko
...............................................

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