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Autoitär-Direkt vs. Permissiv-Indirekt
14.01.2010, 18:17 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 15.01.2010 14:29 von Miraculus.)
Beitrag: #1
Autoitär-Direkt vs. Permissiv-Indirekt
Hallo zusammen,

sicherlich ist es kaum möglich, "Ericksonsche Hypnose" mit "klassischer Hypnose" hinsichtlich der Wirksamkeit zu vergleichen.
Ericksonsche Hypnose ist ja ihrer Natur nach sehr flexibel und geht nicht standardisiert vor.

Erickson selbst arbeitete mit den verschiedensten Vorgehensweisen. Wenn er irgendwo eine indirekte (od. auch diekte) Suggestion geben wollte, dann hat er womöglich etwas getan, um dise "vorzubahnen", was bis hin zum Erzählen einer Metapher gehen konnte.

Es dürfte fast unmöglich sein, "Ericksonsche Hypnose" mit klassicher Hypnose zu vergleichen, weder im Hinblick auf hypnotische Suggestibilität, noch im Hinblick gar auf therapeutischen Erfolg.
(Weitzenhofer, der selbst als erfolgreicher Kliiker galt meinte in etwa, daß bei gut ansprechenden Patienten die Verfahren gleich gut wären, bei solchen, die nicht gut ansprechen die Ericksonsche Hypnose überlegen.)

Was man aber natürlich sehrwohl vergleichen kann ist ein vorgehen, bei dem direkte und autoritäre oder aber indirekte und permissive SUggestionen gegeben werden.
Das hat man auch gemacht, und die Ergebnisse sind ganz interessant.
Da die meisten Untersuchungen aber wohl aus einem experimentellen Setting stammen und das Gebiet nicht wirklich gründlich erforscht ist, muß man die Ergebnisse sicher mit Vorsicht betrachten. Eine weitere starke Einschränkung hinsichtlich der Verwertbarkeit muß gemacht werden, da diese Ergebnisse teilweise in Gruppentests erhoben wurden.
Auch wird hier nicht der therapeutische Erfolg gemessen, sondern die Suggestibilität hinsichtlich typischer Testsuggestionen.


Man liest zu dem Thema "Effektivität von Hypnoseansätzen ja die verschiedensten Äußerungen. Auf der einen Seite finden sich Vertreter eines rein indirekt-permissiven Vorgehens, die diese Methode für deutlich überlegen halten, auch hinsichtlich hypnotischer Suggestibilität.

Andererseits gibt viele Leute die behaupten, "Ericksonsche Hypnose" könne keine "tiefe Trance" herstellen. Letztere Aussage findet man sowohl bei Befürwortern der klassischen wie der "ericksonschen" Methodik.
Die einen leiten dann daraus ab, daß dieser Ansatz nichts taugt; die anderen sind der Überzeugung, daß der therapeutische Erfolg wenig mit "Tiefe" zu tun hat.

Daneben gibt es Auffassungen, wonach beide Methoden vergleichbar sind.


Empirische Untersuchungen

Bei den Ergebnissen der Untersuchungen, denen die beiden Methoden unterzogen wurden, kann man verschiedene Dimensionen unterscheiden, wobei vier als besonders wichtig gelten:

a) "Objektive" 8beobachtbare) Reaktion auf Suggestionen
b) Subjektives Gefühl, wie intensiv man die suggertierten Effekte erlebt hat
c) Erleben von Unwillkürlichkeit
d) "Archaisches Involviertsein", siehe Anmerkung unten


a) Was die objektive Suggestibilität angeht, liegen die Ergebnisse eng beieinander und sind je nach Studie mal auf der einen oder anderen Seite geringfügig höher.

b) Wenn die Subjekte beurteilen sollen, wie stark sie die suggerierten Effekte erlebten, dann sieht das Bild etwas anders aus: Hier war die klassischen Vorgehensweise etwas überlegen.

Man sollte dises Ergebnis aber mit einer gewissen Vorsicht interpretieren. Bei einer dt. Studie gaben die Probanden bei einer klassischen Vorgehensweise zwar höhere subjektive Entspannungwerte an, aber die Messung ihres Hautwiderstands sprach dafür, daß sie weniger tief entspannt waren als diejenigen, denen indirekte und permissive Suggestionen gegeben wurden.

Daraus wurde die Vermutung abgeleitet, daß bei direkte-autoritären Suggestionen die Probanden vllt. einfach besser die Entspannung wahrnehmen, weil sie mehr dazu angehalten werden; dies obwohl die Entspnnung objektiv ev. sogar geringer ausfällt als beim indirekt-permissiven Ansatz.

Wenn das so stimmt, und sich das auch für andere Suggestionsinhalte als Entspannung generalisieren läßt, dann wäre für mich eine Kombination aus beiden Ansätzen naheliegend, etwa wie bei Erickson, der oft von einem permissiv-indirekten zu einem mehr autoritär-direkten Ansatz überging.

c) Was das Gefühl der Unwillkürlichkeit angeht, so scheint dieses bei der klassischen Hypnose stärker augeprägt zu sein. Dies liegt wohl einfach daran, daß der Proband bei der indirekt-permissiven Hypnose mehr das Gefühl der eigenen eigenen Initiiative besitzt.

d) "Archaisches Involviertsein": Damit sind Gefühle gemeint, ähnlich denen, die man in der Psychoanalyse als "Übertragung" bezeichnet: Etwa, inwiefern der Hypnotiseur als machtvoll wahrgenommen wird, inwieweit eine affektive Bindung besteht (vergleichbar der zu geliebten Personen), oder inwieweit der Hypnotisierte fürchtet, den Hypnotiseur zu enttäuschen.

Hierzu gibt es m.W. nur eine Studie, und diese gab bei der indirekt-permissven Methode höhere Werte an als bei klassischer Hypnose. (Dies könnte von Bedeutung sein, da es die These gibt, daß Ericksons Erfolg wesentlich mit duch das "archaic involvement" begründet ist, das er bei seinen Patienten herbeiführte.)

Wie schon existieren gibt es bei diesen Arbeiten erhebliche Beschränkungen der Übertragbarkeit (s.o.).

Anzumerken wäre noch, daß permissive Wachsuggestionen vermutlich besonders wirksam sind, allerdings sind die Ergebnisse auch hier nicht ganz klar.


Zusammenfassung

Man jann sagen, daß in einem "üblichen" experimentellen Setting kein großer Unterschied zwischen der Effektivität eines klassischen und eines permissiv-indirekten Vorgehens zu bestehen scheint.
Diese Ergebnisse gelten nicht notwendigerweise etwa für ein klinisches Setting.
Beide Methoden (Klassische und indirekt-permissive) scheinen gewisse Vorteile zu besitzen, so daß vllt. eine Kombination optimal wäre (was wie gesagt oftmals Ericksons Methode war).

Die These, daß ein indirekt-permissives Vorgehen ganz allgemein und unabhängig vom Setting einem klassischen Vorgehen hinsichtlich hypnotischer Suggestibilität überlegen wäre, konnte nicht bestätigt werden.

Umgekehrt scheint die "populäre" Meinung, man könne mit indirekt-permissivem Ansatz im Gegensatz zur klassischen Hypnose keine "tiefe Trance" erzielen, ins Reich der Mythen zu gehören. (Wenigstens dann, wenn man es beim indirekt-permissiven Vorgehen nicht "nur" mit rein informellen Techniken, sondern mit einem hypnotischen Setting im engeren Sinne zu tun hat.)


LG Miraculus
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17.01.2010, 21:35
Beitrag: #2
RE: Autoitär-Direkt vs. Permissiv-Indirekt
Hi miraculus,

Zitat:sicherlich ist es kaum möglich, "Ericksonsche Hypnose" mit "klassischer Hypnose" hinsichtlich der Wirksamkeit zu vergleichen.
Ericksonsche Hypnose ist ja ihrer Natur nach sehr flexibel und geht nicht standardisiert vor.

Auf die Wirksamkeit zu überprüfen ist es immer unglaublich schwer bis gar nicht möglich.
Hier habe ich eine andere kleine ungereimtheit endeckt. Ich finde Klassische Hypnose muß nicht immer, wie leider allzu oft angenommen, Standardisiert angewandt werden.

Zitat:Es dürfte fast unmöglich sein, "Ericksonsche Hypnose" mit klassicher Hypnose zu vergleichen, weder im Hinblick auf hypnotische Suggestibilität, noch im Hinblick gar auf therapeutischen Erfolg.
(Weitzenhofer, der selbst als erfolgreicher Kliiker galt meinte in etwa, daß bei gut ansprechenden Patienten die Verfahren gleich gut wären, bei solchen, die nicht gut ansprechen die Ericksonsche Hypnose überlegen.)

Langzeitstudien würden sicherlich mehr Licht in dieser Dunkelheit bringen.
Ich finde vom heutigem Wissen aus gesehen, von überlegen oder unterlegen zu sprechen... ich weiß nicht.

Zitat:Umgekehrt scheint die "populäre" Meinung, man könne mit indirekt-permissivem Ansatz im Gegensatz zur klassischen Hypnose keine "tiefe Trance" erzielen, ins Reich der Mythen zu gehören. (Wenigstens dann, wenn man es beim indirekt-permissiven Vorgehen nicht "nur" mit rein informellen Techniken, sondern mit einem hypnotischen Setting im engeren Sinne zu tun hat.)

Das ist auch meine Meinung. Smile

Liebe Grüße
Niko
...............................................

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18.01.2010, 16:21
Beitrag: #3
RE: Autoitär-Direkt vs. Permissiv-Indirekt
Ich denke ebenfalls, dass man die beiden Arten der Hypnose nicht überprüfbar vergleichen kann. Schon allein, weil es sich um Menschen handelt und Hypnose keine Kopfschmerztablette ist. Selbst die wirkt nicht bei jedem gleich. Aber bei Hypnose geht es um die Psyche des Menschen. Einer wird auf die sog. klassische Hypnose wunderbar reagieren und ein anderer auf Ericksons Methode.

Ich würde jedenfalls keiner Studie trauen und sie von vornherein anzweifeln.
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