Antwort schreiben 
 
Themabewertung:
  • 0 Bewertungen - 0 im Durchschnitt
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
Mythen um Erickson
16.12.2008, 20:03 (Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 16.12.2008 20:10 von Miraculus.)
Beitrag: #1
Mythen um Erickson
Hallo zusammen,

obwohl Erickson einen sanften Stil bevorzugte und oft indirekt vorging, verkörperte er ein breites Sprktrum von Interventionen. Auch klassischer Hypnose und sogar Blitzhypnose gehörten zu seinem Repertoire und wurden, wenn er es als sinnvoll erachtete, von ihm auch eingesetzt.
Erickson waar vor allem flexibel und nutzte die Situation und die Bedingungen, die mit seinem Gegenüber verknüpft waren.

Ich möchte einen älteren Artikel von D. Cordyon Hammond bemühen, der einige Mythen zurückweist, die sich um Erickson gebildet haben. Ich lasse es dabei offen, ob mitunter nicht auch Hammonds Urteil kritisierbar sein mag.
Hammond ist bekannt für sein hochgelobtes Buch "Handbook of Hypnotic Suggestions and Metaphors".

(D. Cordyon Hammond, "Mythen um Erickson und die Ericksonsche Hypnose", in: Experimentelle und Klinische Hypnose, 1986)

In seinem Artikel schreibt also der besagte Verfasser:

"Mit der Wiedergeburt der Hypnose geht jedoch eine wachsende Bildung von Fraktionen einher. Es scheint in zunehmendem Maße ein Ericksonscher Kult mit polarisierender Wirkung zu bestehen. Es werden Dichotomien [Teilung in unvereinbare Einheiten] zwischen direkter und indirekter, traditioneller versus Ericksonscher Methode gezogen. Als Antwort auf einen übereifrigen Bekehrungsanspruch hin zur Ericksonschen Methode als das "eine wahre Licht" scheint sich eine Gegenbewegung zu entwickeln.
Erickson beeinflußte die hypnotische Arbeit des Autors mehr als jeder andere Mensch. Folglich ist es schade, daß die Intoleranz einiger Schüler Menschen davon abschreckt, Beiträge Ericksons zu studieren...."

Hammond kritisiert einerseits einen "Kult", andererseits eine Mythenbildung.
Er schildert das teilweise schon lustige Gebahren um Erickson, als dieser bei einem Seminar einfach eine Geschichte über eine frühere Patientin erzählte.
Viele sahen darin wohl eine versteckte Induktion oder sonst etwas:
"Einige der Studenten, die von seinem legendären Ruf bereits hingerissen waren, fielen in Trance, andere, die nicht gut hören konnten, schlummerten ein (und nannten dies später Trance), andere wiederum bemühten sich bewußt, die Geschichte auf versteckte Botschaften hin zu analysieren....
"Richten Sie die Geschichte direkt an jemanden in der Gruppe, für den sie sie relevant halten?"
"Nein."...
"Glauben Sie, daß es einige unter uns gibt, bei denen das, was vorkam, für sie selber von Bedeutung war?"
"Nein".
"Hofften Sie, die Aufmerksamkeit als indirete hypnotische Induktion aufrechtzuerhalten?"
"Nein."
"Nun, war es eine Metapher, die dazu diente, etwas auf unbewußtem Niveau zu übermitteln?"
"Nein."
"Nun, warum erzählen Sie dann die Geschichte?..."


Der arme Erickson antwortete. "Nun, ich dachte mir einfach, es wäre eine interessante Geschichte über eine gute Therapie."

Ein weiterer Kritikpunkt Hammonds besteht darin, wer sich alles für einen Experten für Ericksonsche Hypnotherapie hält:

"In den allermeisten Fällen heißt bei Milton Erickson "studiert" zu haben oder von ihm "trainiert" worden zu sein, lediglich, daß die Person ihm Rahmen einer Gruppe an mehreren Nachmittagen zugehört hat. Das hät jedoch viele dieser Leute nicht davon ab, Bücher über "ericksnsche Hypnotherapie" zu verfassen..."
...
"Einige scheinen sogar zu meinen, in der Imitation der Stimme und der Körperhaltung eines gealterten Erickson liege ein mystischer Zauber. Es scheint fraglich, ob Erickson imitiert werden wollte, besonders bei seinen arg eingeschränkten Fähigkeiten am Ende seines Lebens."


Unter der überschrift "Die Tyrannei des Indirekten" bemerkt Hammond:

"Ein Mythos über Erickson besteht darin, daß er immer permissiv und indirekt gewesen sei...Sicherlich, Erickson war indirekt und kommunizierte oft auf mehreren Ebenen, besonders bei Patienten "mit Widerstand"; diejenigen jedoch, die mit seinem eigentlichen Therapiestil bei Patienten vertraut waren, bescheinigen, daß er häufig genauso direkt und autoritär wie indirekt war..."

Rossi erzählte dem Autor: "Er war direkt. Er konnte alles sein, wennes angemessen war. Das machte seine Genialität aus, zu wissen, wann was zu verwenden ist. Und wie bei allen Genies sehen wir das, was sie neu hinzufügen, als die Essenz ihres Geistes an, wie etwa die EInführung der indirekten Suggestion. Extreme Flexibilität ist das Eigentliche bei Erickson."

"Thompson [ein Freund und Verbündeter Ericksons über 27 Jahre] glaubt, daß viele von uns die indirekte Methode so nachdrücklich betonen, weil direkte Methoden als so simpel erscheinen und wir wenig Vertrauen in uns selbst haben. Thompson sieht Erickson, selbst in seinen späteren Jahren, auch als sehr direkt."

Erickson schildert den Gebrauch von Konfusion bei Altersregression wie folgt.
"Diese Suggestionen werden anfangs nicht in Form von Befehlen oder Instruktionen gegeben, sondern als gedankenevozierende Kommentare. Wenn die Person dann zu reagieren beginnt, gibt es eine langsame, fortschreitende Änderung, hin zu direkten Suggestionen...Die nächsten Suggestionen werden nachdrücklich gegeben, mit zunehmender Intensität..."
Auf diese Weise geht Erickson von Indirekten zum Direkten über.

Hammond stellt dann einige autoritäre Suggestionen Ericksons vor:

"Ich werde Ihnen Dinge erzählen, die Sie tun sollen, und Sie wollen sie tun, tun sie so sicher, wie Sie mich hören, und Sie tun es so zwangsläufig wie Sie mich gezwungenermaßen hören, und Sie wollen sie hören und Sie wollen sie tun..."
Oder:

In einem anderen Fall sprach Erickson zu einer Patientin "von der absoluten Notwendigkeit ihres völligen Gehorsams - unmittelbar, völlig, und es gebe dabei nichts zu fragen - gegenüber der kleinsten Bitte, egal, ob sie nun wach sei oder sich in Trance bedfinde, und dieser Gehorsam würde erwartet werden, selbst wenn sie persönlich etwas gegen die Instruktionen dagegen habe".

So könnte man fortfahren. Obwohl Erickson sicherlich kein autoritärer Knochen war, konnte er, wenn er es für angemessen hielt, auch sehr bestimmend sein - er war kein reiner Kuscheltherapeut.

Gegen das Argument, daß dies alles nur zu dem frühen Erickson gehöre, beruft sich Hammond auf die engen Mitarbeiter Ericksons. Wieder wird Thompson zitiert:
"...Immer wieder sagte er, ein Therapeut sollte direkt und indirekt sein können, den jeweiligen Bedürfnissen der Situation angepasst....Er würde es für töricht halten, einem Patienten eine Geschichte zu erzählen oder eine indirekte Methode zu benutzen, der am besten auf eine direkte Anweisung reagieren würde. (sic)"

Thompson meinte, daß der zunehmende Gebrauch indirekter Methoden gegen das Lebensende auch mit der stark eingeschränkten körperlichen Verfassung Ericksons zu tun habe.

Ein anderer langjähriger Mitarbeiter Ericksons (Pearson)bestätigt:
"Ich muß der Vorstellung - aus meiner Erfahrung mit ihm von über 25 Jahren heraus - klar widersprechen daß er von von direkten Suggestionen in frühen Jahren zu beinahe 100% indirekten am Ende überging...Er war nicht indirekt, nur um eben indirekt zu sein." (Hervorhebung v. Miraculus)

Hammond schließt, daß Erickson genauso direkt wie indirekt war.
"Dies war ein Teil seiner Einzigartigkeit: eine riesiege Weite und Flexibilität. im Gegensatz dazu beharren einige moderne "Ericksonianer" implizit wie explitzit tyrannisch darauf, eigentlich immer permissiv und indirekt sein zu müssen."

zu einem weiteren Mythos, den Metaphern und Konfusionstechniken, erinnert sich wieder Pearson:
"Nur selten wollte er Menschen verwirren. Die Leute haben überzogene Vorstellungen von seinem Verlaß auf Konfusionstechniken...Die Induktionstechniken waren manchmal verwirrend, aber in der Therapie war er viel direkter und geradliniger, als die Leute ihm anrechnen."

Hammond fährt fort: "Pearson schätzt, daß "sicherlich nicht mehr als 20%" Ericksons hypnotischer Arbeit metaphorisch war.Außerdem benutze Erickson Geschichten manchmal eher als "deepening" Technik denn als Vehikel, Bedeutung zu vermitteln..."

Pearson erinnert sich an ein Gespräch mit Erickson, in dem der meinte:
"Manchmal erzähle ich Geschichten, um Zeit zu füllen. Ich instruiere den Patienten, tiefer in Trance zu gehen, und ich erzähle ihnen Geschichten, während sie dies tun, Und einige Geschichten davon sind ohne besondere Bedeutung für die bevorstehende Aufgabe, Ich warte auf einen tieferen Trancezustnd."

Hammond betont, daß Erickson nie ein theoretisches System schaffen und eine besondere Methodik entwickeln wollte. Dazu war er zu flexibel und zu sehr auf die EInzigartigkeit des Patienten bedacht.
Hammond schließt:
"Der Autor [Hammond] glaubt nicht, daß Erickson notwendigerweise die Entscheidung eines therapeuten, eine Therapie primär mit sehr indirekten Bildern durchzuführen, mißbilligen würde. Es scheint jedoch fraglich, ob er dieses Vorgehen als seine Methode bezeichnen würde."

In einem weitere Abschnitt betont Hammond, daß Erickson sich sehr sorgfältig auf die therapeutischen Sitzungen vorbereitete und sich viel Zeit nahm, Nähe herzustellen. Er konnte dann auch spontan abweichen, er ging aber keineswegs unvorbereitet in eine SItzung,

Hammond schließt seinen Artikel unter der Überschrift "Ein Aufruf zu Dialog und Offenheit" ab.

Er bemerkt, daß die meisten Therapeuten nur Aspekte der Ericksonschen Arbeit verwerten, da sein Werk einfach enorm umfangreich ist, doch er fügt hinzu:
"Der Autor möchte jedoch davor warnen, unseren individuell bevorzugten Stil als "die Ericksonsche Methode" von Therapie darzustellen, ebenso warnt er davor, nur ein indirektes Verfahren "zum einzig wahren Licht" zu erheben."

Hammond betont, daß man zwar viel von Erickson lernen kann, seine Ideen aber in seinen persönlichen Stil integrieren muß.

"Pearson erzählte dem Autor: "Erickson wäre völlig enttäuscht gewesen, wenn nach seinem Tod die Weiterentwicklung seiner Ideen aufgehört hätte."

Hammond: "Erickson war ein Modell für die Offenheit, aus mehreren Quellen zu lernen, ebenso war er ein Innovator.Er ließ sich durch die Grenzen eines therapeutischenSystems nicht einschränken,und deshalb wollte er uns wohl kaum dazu führen, ein restrikitives Modell oder eine Schule aufzubauen, die durch unsere Interpretationen siner Arbeit angeregt sind."

Hammond beschreibt seine eigene Erfahrung diesbezüglich:
"Obwohl der Autor es bevorzugt, indirekt zu sein, erweiterte er sein Repertoirean Auswahl, indem er die direkten Techniken Ericksons und anderer Praktiker mit direktkem Stil anschaute...."

Hammond schließt:

"Unser Gebiet profitiert mehr von der Offenheit, von vielen unterschiedlichen Personen zu lernen, als von einem restriktiven Kult, was uns von allen anderen entfremdet und im Gegensatz zur Person Ericksons zu stehen scheint.
Tatsache ist, daß Erickson durch seine Offenheit, Individualisierung und sein flexibles Anwenden einer unglaublichen Bandbreite von Techniken ein wahrhaft einzigartiges und wirksames Modell des Eklektizismus [des Auswählens aus verschiedenen Systemen] darstellte. Er wollte auf keinen Fall in der Bandbreite seiner Interventionen künstlich begrenzt werden. Für uns ist das vielleicht das beste "modeling" von allen."

Vielleicht trägt Hammonds Artikel etwas dazu bei, die seltsamen Gräben zu beseitigen, die es in der Landschaft der Hypnose von den professionellen Therapeuten bis hin zu den "Laien" zu geben scheint.

Es ist ja mehr als seltsam, wie teilweise relativ banale technische Fragen zu den Eckpfeilen eines Menschen- und Weltbildes hochstilisiert und moralisch unendlich überfrachtet werden; wie mitunter jedes direkte Vorgehen oder erst recht jede Blitzinduktion (auch Erickson benutze solche) als Angriff auf die Menschenwürde erachtet wir; oder wie umgekehrt jedes indirekte Vorgehen als dämlich abgetan wird - das letztere öffentlichkeitswirkam unter anderem durch einen gewissen Hypnoseausbilder und ehem. Showhypnotiseur, der offensichtlich nicht ein einziges Buch von Erickson gelesen hat.

Vielleicht kann Erickson tatsächlich ein Vorbild sein, daß Flexibilität und die Einbndung sowohl direkter wie auch indirekter Techniken - je nach Situation und Stil des Hypnotiseurs - sinnvoll sein können, und daß die vermeintlichen Abgründe zwischen verschiedenen Ansätzen so gar nicht existieren.

LG Miraculus
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
16.12.2008, 23:26
Beitrag: #2
RE: Mythen um Erickson
Hallo Miraculus,

immer wieder Interessant zu lesen, und das aus dem Munde der Wegbegleiter von Erickson.
Denn wenn man heute manch einen von Erickson´s Schülern hört, wie sie in Hypnose anwenden, hört sich das mehr an als wenn Erickson von ihnen gelernt hätte. Das Resultat daraus ist, das in vielen Erickson Bücher Erickson einfach von ihnen falsch wiedergegeben wird.
Es gibt nicht "Die Methode" für alles. Das Individuum des Menschen, lässt meiner Meinung das gar nicht zu.
Erickson hat wahrscheinlich ein großes Talent gehabt, die Menschen zu Lesen. Mit seinen Fähigkeiten und Kenntnissen aus der Psychiatrie in der er gearbeitet hatte, und aus vielen anderen Institutionen, verbunden mit Hypnose ist es schon nicht mehr so sehr verwunderlich das er großes auf dieser Ebenen leisten konnte. Und er hat großes geleistet.


Zitat:Es ist ja mehr als seltsam, wie teilweise relativ banale technische Fragen zu den Eckpfeilen eines Menschen- und Weltbildes hochstilisiert und moralisch unendlich überfrachtet werden; wie mitunter jedes direkte Vorgehen oder erst recht jede Blitzinduktion (auch Erickson benutze solche) als Angriff auf die Menschenwürde erachtet wir; oder wie umgekehrt jedes indirekte Vorgehen als dämlich abgetan wird - das letztere öffentlichkeitswirkam unter anderem durch einen gewissen Hypnoseausbilder und ehem. Showhypnotiseur, der offensichtlich nicht ein einziges Buch von Erickson gelesen hat.

Miraculus, ich kenne beide schimpfende Seiten. Sowohl die Ericksonianer die jede Art der Direktiven Hypnose verbieten würden, als auch die Showhypnotiseure die auf die Indirekte Art der Hypnose drauf dreschen.
Mann muss wissen dass keine Seite sich wirklich mit der anderen beschäftigt.
Erickson hat wie man hier auch wieder sieht, direkte Suggestionen in der Hypnose angewandt... ja sogar die Verteufelte Blitzhypnose der Showhypnotiseure angewandt. Ich finde das i. O. wenn es dem Zweck dient.
Bei der Sohwhypnose schaut es schon anders aus. Es könnte niemals eine Show stattfinden, wenn der Hypnotiseur Indirekte Suggestionen geben würde. Wie soll das gehen?
Die Sache ist die: Die Ericksonianer halten an ihrem Mythos fest, was überhaupt nicht stimmt, das nur die Indirekte Sanfte Methodik der Suggestionen die wahre Klientele Arbeit ist.
Während die Showhypnotiseure für eine Show damit logischerweise nun mal gar nichts anfangen können.
Wie man sieht gehen die Arbeiten beider in völlig verschiedene Richtung.

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
http://www.hypnose-hilfe.com
http://www.hypnosering.de
http://www.meditrance.net
http://www.webdesign-oglas.de
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
17.12.2008, 10:42
Beitrag: #3
RE: Mythen um Erickson
Hallo Niko,

so ist es sicherlich. Smile

Ergänzend möchte ich noch sagen, daß es sehr gute Hypnotiseure/Therapeuten gibt, die überwiegend klassisch oder eher "Erickson-Stilmäßig" vorgehen, und solche, die beide Ansätze kombinieren. Man kann auf verschiedene Weise gut sein.

Ein Problem sehe ich nicht, wenn man vor allem einen Ansatz hat - solange man andere Wege nicht in Bausch und bogen verdammt, ohne sie wirklich zu kennen.

Eine Frage ist noch interessant.
Von etlichen Hypnotiseuren wird so getan, als gäbe es zwei grundlegend verschiedene Vorgehensweisen:

Einerseits:
1) Sanfte Induktion - 2) leichte Trance - 3) gefolgt von Ericksonscher Therapie - 4) wo der Klient (unbewußt) neue Lösungen erarbeitet und etwas lernt, wo das UB etwas Neues tut.

andererseits:

1)Schnelle oder Blitzinduktion - 2) tiefe Trance - 3) reine Suggestivtherapie - 4) mit reiner Umprogrammierung, wo der Klient nur tut, was man ihm sagt, ohne selbst eine unbewußte Lösung zu finden.

Erstaunlicherweise wird dieses Modell- im Wesentlichen - von Vertretern beider Seiten akzeptiert. Dazu mag jeder denken, was er will, ich persönlich halte es für nicht haltbar.

a) Es gibt etliche Therapeuten, die zwar "rapid inductions", dann aber etwas anderes als Suggestivtherapie in der Hauptsache machen - etwa Jerry Kein oder Calvin Banyan, die Gewicht auf Regressionstherapie und Teilearbeit legen.

b)Auch Ericksonsche Hypnose kann sehr tief sein. Ich habe dies erlebt, als viele Konfusionen und Metaphern zu dem Zweck verwendet wurden. Mein Denken war sehr ruhig und langsam, ich war in typischer "tiefer Trance" in dem, was man sinnvollerweise als Trance im engeren Sinne bezeichnen kann. Später erinnerte ich mich teilweise nicht mehr, wußte aber, daß ich nicht geschlafen hatte, es war also eine posthypnotische Amnesie.

Nach Bongrtz waren sogar bei der erickonschen Variante einer Fantasiereise die objektiven Entspannungsparameter deutlicher.
Wie dem auch sein mag, man kann klassisch oder ericksonianisch tiefe oder weniger tiefe Zustände erzeugen, wenn man dies möchte.
Dabei dürfte diese "Tiefe" ohnehin wensetlich von der Situation und therapeutischen Anforderungen abhängen.

Außerdem wird (was nicht ganz unproblematisch ist, aber egal) Tiefe oft einfach als Suggestibilität und therapeutische Reaktionsberitschaft verstanden. Und diese andere Art von "Tiefe" kann auch dort auftreteten, wo jemand "wach" und konzentriert und nicht sonderlich entspannt ist.
Ob dies nun eine ericksonianische oder klassische Hypnose ist.
Daß Suggestibilität oft von "Ericksonianern" nicht getestet wird sagt nicht, daß sie nicht da wäre.

Was die Meinung angeht, daß bei einer Suggestivtherapie nur stumpf Befehle ausgeführt werden, so halte ich dies für meinen Teil nicht überzeugend. So kommen niemals lange, tiefgreifende, anhaltende Veränderungen zustande.
Auch die nicht immer, aber oft auftretende Wirklatenz bei Suggestivtherapie von einigen Tagen deutet darauf hin, daß eben erst einmal etwas im UB in Bewegung gerät, daß Prozesse der "Reorganisation" stattfinden, bevor dann der erwünschte Effekt eintritt.
Das heißt, daß auch hier das UB eine echte Lösung finden kann.
Würde man das Ub nicht auch einschränken, wenn man ihm zutraut, eine gute neue Lösung zu finden, wenn man eine indirekte Suggestion verwendet, oder eine metapher, aber nicht bei einer direkten?

Wesentlich für jede Hypnose und Therapie sind guter Rapport, Verständnis, Achtung des Ggenübers, Vermittlung einer positiven Erwartung usw.
Ich glaube, man sollte sich über verschiedene Lager mehr anerkennen...es mag Unterschiede in der Arbeitsweise geben, aber diese sind weniger "prinzipiell", als es auf den ersten Blick hin scheinen mag.

Es gibt gute klassische ud schlechte klassische und gute ericksonianische und schlechte ericksonianische Hypnotiseure, und gute und schlechte "Mischlinge". :-)

LG Miraculus
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
17.12.2008, 19:06
Beitrag: #4
RE: Mythen um Erickson
Hi Miraculus,

Zitat:Es gibt gute klassische ud schlechte klassische und gute ericksonianische und schlechte ericksonianische Hypnotiseure, und gute und schlechte "Mischlinge". :-)

Da bin ich ganz mit Dir. Wink


Zitat:Eine Frage ist noch interessant.
Von etlichen Hypnotiseuren wird so getan, als gäbe es zwei grundlegend verschiedene Vorgehensweisen:

Einerseits:
1) Sanfte Induktion - 2) leichte Trance - 3) gefolgt von Ericksonscher Therapie - 4) wo der Klient (unbewußt) neue Lösungen erarbeitet und etwas lernt, wo das UB etwas Neues tut.

andererseits:

1)Schnelle oder Blitzinduktion - 2) tiefe Trance - 3) reine Suggestivtherapie - 4) mit reiner Umprogrammierung, wo der Klient nur tut, was man ihm sagt, ohne selbst eine unbewußte Lösung zu finden.

Erstaunlicherweise wird dieses Modell- im Wesentlichen - von Vertretern beider Seiten akzeptiert. Dazu mag jeder denken, was er will, ich persönlich halte es für nicht haltbar.

a) Es gibt etliche Therapeuten, die zwar "rapid inductions", dann aber etwas anderes als Suggestivtherapie in der Hauptsache machen - etwa Jerry Kein oder Calvin Banyan, die Gewicht auf Regressionstherapie und Teilearbeit legen.

b)Auch Ericksonsche Hypnose kann sehr tief sein. Ich habe dies erlebt, als viele Konfusionen und Metaphern zu dem Zweck verwendet wurden. Mein Denken war sehr ruhig und langsam, ich war in typischer "tiefer Trance" in dem, was man sinnvollerweise als Trance im engeren Sinne bezeichnen kann. Später erinnerte ich mich teilweise nicht mehr, wußte aber, daß ich nicht geschlafen hatte, es war also eine posthypnotische Amnesie.

Nach Bongrtz waren sogar bei der erickonschen Variante einer Fantasiereise die objektiven Entspannungsparameter deutlicher.
Wie dem auch sein mag, man kann klassisch oder ericksonianisch tiefe oder weniger tiefe Zustände erzeugen, wenn man dies möchte.
Dabei dürfte diese "Tiefe" ohnehin wensetlich von der Situation und therapeutischen Anforderungen abhängen.

Bitte um genauere erläuterung deiner Frage. Ich habe sie hier so nicht ganz erkennen können.

Zitat:Was die Meinung angeht, daß bei einer Suggestivtherapie nur stumpf Befehle ausgeführt werden, so halte ich dies für meinen Teil nicht überzeugend. So kommen niemals lange, tiefgreifende, anhaltende Veränderungen zustande.

Kind es Regnet, geh ja nicht ohne Mütze nach draußen,... sonst bekommst Du Kopfschmerzen und Du Erkältest Dich noch... rief die Oma dem Enkel beim hinausgehen hinterher.

Du siehst hier hat die Oma (natürlich unwissentlich) direkte Suggestionen in zwei Sätzen Suggeriert, und die Wirkung war meist nicht ausgeblieben.
Das heißt jetzt nicht dass es immer so und bei jedem Wirkung zeigen musste.

Ich könnte hier aber auch eine halbe Seite lang schreiben und darin Indirekte Suggestionen einflechten... mit demselben Ergebnis was die Oma in zwei Sätzen schafft.

In vielen Bereichen ist es am Idealsten, wenn man dem UB die Entfaltung auf eigene Art und Weise überlässt, um das bestmöglichste und effektivste zu erreichen.
Und manchmal ist eine einzige direkte Suggestion so mächtig, das es ihr Ziel nicht verfehlt.

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
http://www.hypnose-hilfe.com
http://www.hypnosering.de
http://www.meditrance.net
http://www.webdesign-oglas.de
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
17.12.2008, 20:33
Beitrag: #5
RE: Mythen um Erickson
(17.12.2008 19:06)Niko schrieb:  Kind es Regnet, geh ja nicht ohne Mütze nach draußen,... sonst bekommst Du Kopfschmerzen und Du Erkältest Dich noch... rief die Oma dem Enkel beim hinausgehen hinterher.

Du siehst hier hat die Oma (natürlich unwissentlich) direkte Suggestionen in zwei Sätzen Suggeriert, und die Wirkung war meist nicht ausgeblieben.
Das heißt jetzt nicht dass es immer so und bei jedem Wirkung zeigen musste.

Ich könnte hier aber auch eine halbe Seite lang schreiben und darin Indirekte Suggestionen einflechten... mit demselben Ergebnis was die Oma in zwei Sätzen schafft.

Das Beispiel gefällt mir sehr. Es zeigt so einleuchtend und alltäglich, was Suggestionen sein können. Danke. Smile

Zitat:In vielen Bereichen ist es am Idealsten, wenn man dem UB die Entfaltung auf eigene Art und Weise überlässt, um das bestmöglichste und effektivste zu erreichen.
Und manchmal ist eine einzige direkte Suggestion so mächtig, das es ihr Ziel nicht verfehlt.

Es kommt denke ich auch auf die Situation an, in der sich jemand befindet. In manchen Situationen bedarf es sehr direkter Anweisungen (Suggestionen) um Veränderung zu bewirken. In anderen ist es achtsamer dem UB seinen freien Raum zu lassen.

Ich persönlich halte nichts davon, die eine Seite in den Himmel zu loben und die andere zu verteufeln. In beiden Arbeitsweisen hat es viele wirklich gute Erfolge gegeben. Diese sprechen doch eindeutig für sich. Ich halte viel davon beide Arbeitsweisen einsetzen zu können.

Wir sind ausserdem täglich sehr vielen Suggestionen schon allein durch die elende Radio- und TV-Werbung ausgesetzt. Sie sind direkt, sowie direkt. je nach dem, was sich die Macher davon versprechen.

Mich persönlich macht Werbung eher aggressiv und ich schalte ab. Ich empfinde viele Werbe-Suggestionen sehr aggressiv und laut. Ich könnte hier einige Beispiele nennen, will aber nun nicht noch zusätzlich Werbung für diese Firmen machen. Dodgy Sie schrecken mich von den Produkten tatsächlich eher ab.
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
17.12.2008, 20:55
Beitrag: #6
RE: Mythen um Erickson
Zitat:Ich persönlich halte nichts davon, die eine Seite in den Himmel zu loben und die andere zu verteufeln. In beiden Arbeitsweisen hat es viele wirklich gute Erfolge gegeben. Diese sprechen doch eindeutig für sich. Ich halte viel davon beide Arbeitsweisen einsetzen zu können.

Mich persönlich Interessieren beide Werkzeuge, weil ich es als sehr wichtig halte mit beide Möglichkeiten umgehen zu können.
Wobei so Einschränkend, nur von zwei Methodiken der Hypnose zu sprechen finde ich falsch.
Es gibt mehr als nur Indirekte und Direkte Formen Hypnose.

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
http://www.hypnose-hilfe.com
http://www.hypnosering.de
http://www.meditrance.net
http://www.webdesign-oglas.de
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
18.12.2008, 19:17
Beitrag: #7
RE: Mythen um Erickson
Hallo zuzusammen,
sehr gute Kommentare!
@ Niko. Eigentlich keien Frage, hätte" Aspekt" schrieben sollen. Lag also nicht an Dir. Wink

LG Miraculus
Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
18.12.2008, 21:21
Beitrag: #8
RE: Mythen um Erickson
Zitat:@ Niko. Eigentlich keien Frage, hätte" Aspekt" schrieben sollen. Lag also nicht an Dir. Wink

Ok somit hat sich das geklärt. Wink

Zitat:sehr gute Kommentare!

Dankeschön. Blush

Liebe Grüße
Niko
...............................................

Behandle dich selbst so, wie andere dich behandeln sollen.
http://www.hypnose-hilfe.com
http://www.hypnosering.de
http://www.meditrance.net
http://www.webdesign-oglas.de
Webseite des Benutzers besuchen Alle Beiträge dieses Benutzers finden
Diese Nachricht in einer Antwort zitieren
Antwort schreiben 


Gehe zu:


Kontakt | Hypnosering-Seminare | Nach oben | Zum Inhalt | Archiv-Modus | RSS-Synchronisation